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RELíGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur

Neubau von Kleihues (1993)
Luftbild mit Museumsbauten, Clemenskirche und Marienkapelle
Blick vom Kardinal-von-Galen-Platz auf den Neubau
Blick in die Herrenstraße mit Museumsbauten
Fassade des Neubaus an der Herrenstraße
Fassade mit Spiegelungen
Heimathaus in eh. Pastoratsscheune (heute Teil des Museums)
Heimathaus neben der Wallfahrtskirche
Fassadenausschnitt des Heimathauses
Anbauten von Dominikus Böhm mit drei Giebeln
Anbauten von Dominikus Böhm
Blick in die Herrenstraße mit Museum und St.-Clemens-Kirche
Spätere Museumsanbauten im Vordergrund
Treppenaufgang im Neubau
Treppenabgang im Neubau
Ausstellungsfläche mit Hungertuch im Hintergrund
Hungertuch von Telgte
Gute Stube im Heimathaus

Neubau von Kleihues (1993)
Luftbild mit Museumsbauten, Clemenskirche und Marienkapelle
Blick vom Kardinal-von-Galen-Platz auf den Neubau
Blick in die Herrenstraße mit Museumsbauten
Fassade des Neubaus an der Herrenstraße
Fassade mit Spiegelungen
Heimathaus in eh. Pastoratsscheune (heute Teil des Museums)
Heimathaus neben der Wallfahrtskirche
Fassadenausschnitt des Heimathauses
Anbauten von Dominikus Böhm mit drei Giebeln
Anbauten von Dominikus Böhm
Blick in die Herrenstraße mit Museum und St.-Clemens-Kirche
Spätere Museumsanbauten im Vordergrund
Treppenaufgang im Neubau
Treppenabgang im Neubau
Ausstellungsfläche mit Hungertuch im Hintergrund
Hungertuch von Telgte
Gute Stube im Heimathaus
Standort
Herrenstraße 1
48291 Telgte
Baujahr:
1934 / 1937 / 1993
Epoche(n):
Gegenwart
Urheber*in:
Architekt Dominikus Böhm (Erweiterungsbau 1937)
Bauherr*in:
Internet:
www.museum-telgte.de

Das heutige RELíGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur ist das Ergebnis einer über Jahrzehnte gewachsenen Museumsgeschichte, die sich auch in seiner Architektur ablesen lässt. Ausgangspunkt war 1934 das von Paul Engelmeier gegründete Heimathaus in einer ehemaligen Pastoratsscheune. Der 1937 nach Plänen von Dominikus Böhm errichtete Erweiterungsbau setzt mit seiner klaren, geradlinigen Gestaltung einen eigenständigen Akzent. Charakteristisch ist die Reihung von drei giebelständigen Baukörpern, die den Neubau zugleich in die kleinteilige, von Giebelhäusern geprägte Struktur der Telgter Altstadt einbindet. 1983 kam ein weiterer Erweiterungsbau mit modernen Ausstellungsflächen hinzu, der die drei Giebel von Böhm fortführt.

Eine neue architektonische Setzung entstand Anfang der 1990er-Jahre mit dem Neubau des Krippenmuseums nach Plänen von Josef Paul Kleihues und Norbert Hensel. Das 1993 realisierte Gebäude wurde 1994 eröffnet und war zunächst der Präsentation der umfangreichen Krippensammlung gewidmet. Heute bildet es einen wesentlichen Bestandteil des RELíGIO.

Kleihues reagiert auf die historische Umgebung nicht mit einer Anpassung an deren Formen, sondern mit einer eigenständigen, präzise gefassten Architektur. Der Bau nimmt die vorhandene städtebauliche Struktur auf und übersetzt sie in eine streng geometrische Ordnung. Seine äußere Erscheinung wird von Ibbenbürener Sandstein, Kupfer und großflächiger Verglasung bestimmt. Der dunkle Sockel aus Basaltlava vermittelt zwischen Gebäude und Straßenraum; das Material der Pflasterung wird im Foyer und auf den Treppen weitergeführt.

Eine besondere Rolle spielt die Verglasung. Über eine großzügige Eingangssituation an der Herrenstraße gelangt man in ein Foyer, an das der Bereich für Wechselausstellungen anschließt. Die Geschosse werden über eine vollständig verglaste Treppe erschlossen. Sie schafft nicht nur Orientierung im Gebäude, sondern stellt immer wieder Sichtbezüge zum Außenraum und zur benachbarten Gnadenkapelle her. In der Fassade wird damit die unmittelbare Umgebung Teil der architektonischen Wahrnehmung. Die Nähe zur barocken Wallfahrtskapelle wird nicht durch formale Nachahmung beantwortet, sondern durch einen bewusst gesetzten Kontrast zwischen der rationalen Klarheit des Neubaus und der historischen, barock geprägten Architektur. Die hohe gestalterische Qualität des Baus wurde 1995 mit dem Deutschen Natursteinpreis gewürdigt.

So steht der Kleihues-Bau zugleich für Kontinuität und Neubeginn: Er führt die Entwicklung des Museums als gewachsene Anlage fort und setzt ihr mit seiner klaren Material- und Formensprache einen eigenständigen architektonischen Akzent. Mit der 2011/12 vollzogenen Zusammenführung von Krippenmuseum und Heimathaus Münsterland und der Neuausrichtung als RELíGIO erhielt auch die bauliche Verbindung der unterschiedlichen Museumsteile eine neue programmatische Bedeutung. Seitdem widmet sich das Haus der religiösen Kultur Westfalens in Geschichte und Gegenwart. Die Ausstellungen reichen von religiösen Alltagspraktiken über Kunstwerke mit sakralem Bezug bis hin zu gesellschaftlich aktuellen Themen wie interreligiöser Dialog oder Spiritualität im säkularen Raum.

Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 07.10.2026

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