34414 Warburg
-
Ausgezeichnet
-
Denkmalgeschützt
-
Objekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert
- Baujahr:
- 1888 - 1892 / Sanierung 2020 - 2024
- Epoche(n):
- Historismus
- Urheber*in:
- Bauherr*in:
Das Mausoleum der Familie Schuchard befindet sich südlich des Friedhofs im Warburger Ortsteil Calenberg und wurde zwischen 1888 und 1892 im Auftrag von Luise Schuchard errichtet. Die Grabstätte entstand nach dem Tod ihres Ehemannes Hugo Julius Schuchard als repräsentative Familiengrabstätte im historistischen Stil der Neorenaissance.
Die Planung wird dem Kölner Architekten Heinrich Johann Wiethase zugeschrieben, der zuvor bereits mit dem Umbau des nahegelegenen Gutes und der Burg Calenberg beauftragt worden war. Das Mausoleum wurde in ausgeprägter Hanglage errichtet und orientiert sich in seiner architektonischen Gestaltung an Formen der florentinischen Renaissance. Ein hoher Unterbau aus Bruchsteinmauerwerk gleicht den Höhenunterschied des Geländes aus und nimmt zugleich die eigentliche Grabstätte auf. Oberhalb erhebt sich ein vielgliedriger Baukörper aus rotem Sandstein, dessen Zentrum ein quadratischer Mittelbau mit oktogonalem Kuppelkranz bildet. Seitlich schließen Säulengänge mit Rundbogenarkaden an, die gemeinsam einen dreiflügeligen Ehrenhof umfassen.
Der Mittelbau wird über hohe Rundbogenöffnungen erschlossen und trägt oberhalb des Eingangs das Schriftband „Grabstaette der Familie Hugo Schuchard“. Eine rückwärtige Apsis nimmt den Altar auf, während verschließbare Öffnungen im Boden das Absenken der Särge in die darunterliegende Gruft ermöglichten. Diese wird von den Schmalseiten des Unterbaus erschlossen und enthält Sargnischen sowie Grabplatten. Florale Kapitelle, Kassettendecken, Terrazzoböden, Buntverglasungen, schmiedeeiserne Gitter und Inschriften ergänzen die zeitgeistige architektonische Gestaltung.
Die exponierte Hanglage und eindringende Feuchtigkeit führten zu erheblichen Schäden an Naturstein, Fugen und der Dachkonstruktion. Bereits 2018 wurden deshalb umfangreiche bautechnische Untersuchungen durchgeführt, auf deren Grundlage Bestandspläne, eine detaillierte Schadenserfassung der Natursteinoberflächen sowie ein Konservierungskonzept erarbeitet wurden.
Ab 2020 wurde die Anlage in mehreren Bauabschnitten umfassend instandgesetzt. Zunächst konzentrierten sich die Arbeiten auf das zentrale Oktogon mit Apsis und Kuppel, anschließend folgten die seitlichen Arkadengänge, die Gruft, die Stützmauer und die kleineren Auf- und Anbauten. Die im 20. Jahrhundert mit Schiefer gedeckte Kuppel erhielt entsprechend ihrer ursprünglichen Ausführung wieder eine Kupfereindeckung. Erhaltungsfähige Natursteine wurden konserviert und partiell ergänzt, stark geschädigte Werksteine ausgetauscht sowie offene Fugen erneuert. Besonders beanspruchte Bereiche wurden zusätzlich gegen eindringende Feuchtigkeit gesichert.
Für die umfassende Instandsetzung wurde das Projekt 2026 mit dem zweiten Preis des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet.
Auszeichnungen:
- Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2026 NRW (DSD, ZDH), 2. Preis
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 26.10.2026
Objektkommentare