59494 Soest
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Denkmalgeschützt
Die Kirche Alt St. Thomae gehört zu den bedeutenden mittelalterlichen Sakralbauten der Stadt Soest. Ihr heutiges Erscheinungsbild vereint romanische und frühgotische Bauteile und dokumentiert mehrere Jahrhunderte Baugeschichte. Besonders bekannt ist die Kirche durch ihren auffällig geneigten Turmhelm, der ihr den Beinamen „Schiefer Turm“ eingebracht hat. Mit ihrer Erweiterung zur frühgotischen Hallenkirche im 13. Jahrhundert zählt Alt St. Thomae zu den ältesten gotischen Kirchenbauten Deutschlands.
Baugeschichte
Archäologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich an der Stelle der heutigen Kirche bereits in karolingischer Zeit ein Vorgängerbau befand. Dieser bestand aus einer einschiffigen, rechteckigen Saalkirche. Kurz nach 1180 entstand eine größere romanische Basilika, deren Bausubstanz in Teilen bis heute erhalten ist. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche im Jahr 1203. Zwischen etwa 1230 und 1300 erfolgten umfangreiche Erweiterungen und Umbauten, die den Bau schrittweise zu einer frühgotischen Hallenkirche formten.
Architektur
Die architektonische Bedeutung von Alt St. Thomae liegt vor allem in ihrem Übergangscharakter zwischen Romanik und Gotik. Während die ältesten erhaltenen Bauteile auf die romanische Bauphase um 1180 zurückgehen, prägt die frühgotische Erweiterung des 13. Jahrhunderts den heutigen Raumeindruck. Die Kirche gehört damit zu den frühen Beispielen der westfälischen Hallenkirchenentwicklung. Charakteristisch ist die klare, zurückhaltende Gestaltung des Baukörpers, die sich harmonisch in die historische Stadtlandschaft von Soest einfügt.
Eine Besonderheit stellt die Lage des Bauwerks dar: Alt St. Thomae ist die einzige Soester Kirche, die unmittelbar an der historischen Stadtumwallung liegt. Zudem besitzt sie als einzige der großen Soester Kirchen bis heute einen eigenen Kirchgarten.
Der „Schiefe Turm“
Das bekannteste Merkmal der Kirche ist ihr markanter Turmhelm. Dieser wurde nach einem Blitzschlag im Jahr 1653 erneuert und zeigt heute eine deutliche Neigung nach Südwesten beziehungsweise Westen. Lange Zeit kursierten verschiedene Erklärungen für die Schiefstellung, darunter die Annahme, der Turm sei bewusst gegen die vorherrschenden Westwinde geneigt errichtet worden. Untersuchungen des Tragwerks und ein Gutachten aus den 1980er-Jahren führen die Schieflage jedoch hauptsächlich auf Schäden und Fäulnis im hölzernen Gebälk zurück. Der geneigte Turmhelm ist heute ein unverwechselbarer Bestandteil der Soester Stadtsilhouette.
Zerstörung und Wiederaufbau
Die Geschichte der Kirche war mehrfach von Krisen geprägt. Nach den Folgen der Soester Fehde und des Dreißigjährigen Krieges verfiel das Bauwerk zeitweise erheblich. Im 19. Jahrhundert verlegte die Gemeinde ihren Schwerpunkt auf die ehemalige Minoritenkirche Neu St. Thomae. Alt St. Thomae blieb jedoch erhalten, nachdem der preußische Staat das Gebäude erwarb und sanieren ließ. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche am 7. März 1945 durch Bombentreffer schwer beschädigt. Der Wiederaufbau begann erst in den 1960er-Jahren und blieb bewusst zurückhaltend. Bis heute sind die Kriegsschäden und die verschiedenen Bauphasen im Inneren ablesbar.
Bedeutung
Alt St. Thomae ist ein bedeutendes Zeugnis der mittelalterlichen Architekturentwicklung in Westfalen. Die Verbindung romanischer Bausubstanz mit einer frühen gotischen Hallenkirchenform, die lange Baugeschichte sowie der charakteristische schiefe Turm machen das Bauwerk zu einem wichtigen Bestandteil des architektonischen Erbes von Soest. Gleichzeitig veranschaulicht die Kirche die Veränderungen, die sakrale Bauwerke im Laufe der Jahrhunderte durch Umbauten, Kriegszerstörungen und Restaurierungen erfahren haben.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 10.06.2026
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