32657 Lemgo
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Denkmalgeschützt
- Baujahr:
- 1966 - 1969
- Epoche(n):
- 1950er-70er Jahre
- Urheber*in:
- Bauherr*in:
Die Realschule Lemgo als südwestlicher Teil des Schulzentrums Heldmanskamp wurde in den 1960er-Jahren nach Entwürfen des Architekten Harald Deilmann realisiert. Das seit 2020 denkmalgeschützte Hauptgebäude wurde im Jahr 1967 fertiggestellt und ist Teil einer größeren Schulanlage auf dem Grundstück, die zwischen 1964 und 1969 errichtet wurde.
Als Bildungsbau der späten Nachkriegsmoderne steht die brutalistische Realschule exemplarisch für Deilmanns Auseinandersetzung mit neuen pädagogischen Konzepten, einer flexibleren Organisation des Schulalltags und einem neuen baulichen Ausdruck der Typologie einer Schule.
Die Planung entstand in einer Phase grundlegender Bildungsreformen, in der Schulen zunehmend als differenzierte Lernräume mit angepassten pädagogischen Konzepten verstanden wurden. Deilmann übertrug diese Entwicklung in räumliche Strukturen mit variabel nutzbaren Klassenräumen, multifunktionalen Bereichen und gemeinschaftlich orientierten Zonen. Die als Sichtbetonkonstruktion ausgeführten Schulgebäude sollten damit nicht nur einzelne Funktionen aufnehmen, sondern verschiedene Formen des Lernens, der Begegnung und der Kommunikation miteinander verbinden.
Das denkmalgeschützte Ensemble umfasst nicht nur das eigentliche Schulgebäude, sondern auch die dazugehörigen zeittypischen Treppen, Grünflächen und Überdachungselemente. Die Elemente waren Teil eines zusammenhängenden räumlichen Konzepts und dienten dazu, die gestaffelten Baukörper und Außenräume gestalterisch miteinander zu verbinden. Gebäude und Freiraum wurden als konzeptuelle Einheit verstanden, in der Wegebeziehungen, Aufenthaltsbereiche und Übergänge zwischen Innen- und Außenräumen wesentliche Bestandteile der Gesamtanlage bildeten.
Für Deilmanns Architekturverständnis waren insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Ort, Topografie, Raum, Funktion, Konstruktion, Material und Licht von Bedeutung. Die Besonderheit des Schulbaus liegt darin, dass die Klassenräume geschossübergreifend gestaffelt und versetzt zueinander angeordnet sind. Dadurch ist es möglich, durch ein zusätzliches Fensterband in der Raummitte eine bessere Belichtung der Raumtiefe zu schaffen. Im Gegenteil dazu kragen die im Obergeschoss angeordneten Fachräume aus und bilden den stufenweisen Höhenversprung im Innenraum in ihrer Konstruktionsweise ab. Auf diese Weise erscheint der großvolumige Schulbau fassadenseitig stark differenziert und gegliedert.
Mit der geplanten Erweiterung und Sanierung durchläuft der denkmalgeschützte Bestand gegenwärtig eine neue Entwicklungsphase. Grundlage des im Jahr 2021 ausgelobten Wettbewerbs war ausdrücklich der Erhalt des von Deilmann entworfenen Bestandes. Gleichzeitig sollen neue Unterrichts- und Ganztagsbereiche ergänzt, der Schulhof neu geordnet und bestehende Wegeachsen stärker mit dem Stadtraum verknüpft werden.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 14.10.2026
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