32657 Lemgo
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Objekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert
- Baujahr:
- 2018/19
- Epoche(n):
- Gegenwart
- Urheber*in:
- Bauherr*in:
- Internet:
- kanzleiamwall.de
Die ehemalige Scheune an der Echternstraße in Lemgo wurde zwischen 2018 und 2019 nach Entwürfen von Habermann-Decker Architekten zur „Kanzlei am Wall“ mit angeschlossenem Notariat umgebaut.
Das denkmalgeschützte Gebäude, das am östlichen Rand der historischen Altstadt liegt, wurde 1863 aus Bruchsteinmauerwerk errichtet und diente bis Anfang der 1960er-Jahre als Landhandel. Anschließend wurde es überwiegend als Lager und Scheune genutzt, bevor es die letzten Jahre vor dem Umbau leerstand. Im Rahmen des umfassenden Umbaus wurde das knapp 1.400 Kubikmeter umfassende Bauwerk innenräumlich um zeitgemäße Büro-, Besprechungs- und Nebenräume für die Rechtsanwalts- und Notarsozietät erweitert.
Die äußere Gestalt der ehemaligen Scheune blieb aufgrund des Denkmalschutzes weitgehend erhalten und wurde lediglich um zusätzliche Fensteröffnungen ergänzt. Der rechteckige, straßenseitig angewinkelte Baukörper, der von einem steilen Satteldach abgeschlossen wird, ist durch das massive, unregelmäßig gefügte Bruchsteinmauerwerk mit wenigen Öffnungen geprägt. Der Eingriff erhält die historische Gebäudehülle in ihrer Kubatur und Materialität nahezu unverändert.
Das zuvor mit einem roten Holztor verschlossene Tor an der Giebelseite wurde durch einen verglasten Eingang ersetzt. An der Längsfassade ergänzen wenige hochformatige Fensteröffnungen die ansonsten geschlossene Bruchsteinwand und lassen die neue Nutzung erkennbar werden, ohne den massiven Charakter des Bestandes grundlegend zu verändern.
Der wesentliche architektonische Eingriff erfolgt im Inneren des Gebäudes und folgt dem Prinzip einer Haus-im-Haus-Konstruktion. Innerhalb der historischen Hülle wurde eine eigenständige Konstruktion aus Stahlbetonstützen und Geschossdecken eingefügt, die sich konstruktiv sowie gestalterisch deutlich vom Bruchstein des Bestands absetzt. Die dem zentralen Flurbereich folgenden, leicht zueinander versetzten Raummodule nehmen die neuen Raumeinheiten auf und ragen teilweise frei in die über mehrere Geschosse reichenden Lufträume hinein und erzeugen eine kleinteilige Wirkung. Die ursprüngliche Großräumigkeit der Scheune bleibt auf diese Weise trotz der Schaffung mehrerer Nutzungsebenen wahrnehmbar.Historische Bauteile wie die zur Verstärkung der Dachkonstruktion eingesetzten Stahlfachwerkträger bleiben sichtbar und machen die unterschiedlichen konstruktiven Zeitschichten des Gebäudes ablesbar.
Die Nutzungen verteilen sich auf drei Ebenen. Im Erdgeschoss befinden sich der Empfang, Wartebereiche sowie Beurkundungs- und Funktionsräume. Die beiden darüberliegenden Ebenen nehmen vorwiegend Büroarbeitsplätze sowie einen Besprechungsraum auf. Eine zentrale, filigrane, einläufige Treppe verbindet die drei Ebenen miteinander und wird durch eine außenliegende Fluchttreppe ergänzt.
Großflächige Glaswände zwischen Büros und Erschließungsbereichen ermöglichen eine zusätzliche Belichtung der inneren Raumzonen und schaffen zugleich zahlreiche Sichtbeziehungen zwischen den Geschossen. Die transparente innere Struktur steht dabei in bewusstem Gegensatz zur massiven und weitgehend geschlossenen äußeren Gebäudehülle.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 24.08.2026
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