58730 Fröndenberg
- Baujahr:
- 1962 - 1964
- Epoche(n):
- 1950er-70er Jahre
- Urheber*in:
- Bauherr*in:
Im Fröndenberger Stadtteil Westick entstand Anfang der 1960er-Jahre mit St. Josef ein Kirchenneubau, der die zeitgenössische Architekturauffassung der Nachkriegszeit widerspiegelt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 10. Oktober 1962. Knapp zwei Jahre später wurde der Kirchenbau von St. Josef am 11. Juli 1964 durch Weihbischof Dr. Paul Nordhues geweiht.
Das architektonische Konzept orientiert sich an dem biblischen Bild „Seht, das Zelt Gottes unter den Menschen“. Entsprechend prägt eine zeltartige Konstruktion den Kirchenraum. Die markante Formensprache folgt dabei den Prinzipien des kirchlichen Bauens jener Zeit: Klarheit, Funktionalität und eine bewusst zurückhaltende Gestaltung. Auf eine umfangreiche Ausstattung im klassischen Sinn wurde weitgehend verzichtet. Der Glockenturm mit seiner Glockenanlage entstand erst rund 23 Jahre nach der Weihe des Kirchengebäudes.
Heute steht St. Josef zugleich für einen Wandel kirchlicher Nutzung. In den vergangenen Jahren wurde das Gotteshaus zur „Offenen Fahrradkirche“ am Ruhrtalradweg umgestaltet. Die Anpassung betrifft nicht nur die Nutzung des Innenraums, sondern auch das unmittelbare Umfeld. Wetterfeste Sitzgelegenheiten, Abstellbügel für Fahrräder, eine E-Bike-Ladestation und eine Reparatursäule mit Luftpumpe machen den Ort zu einer Anlaufstelle für Radfahrende.
Auch im Kircheninneren wurde die neue Nutzung sichtbar integriert. Ein modernes Licht- und Audiosystem ermöglicht es Besuchern, per Knopfdruck Andachten mit farbigem Licht und Musik zu erleben. Damit wird der sakrale Raum nicht vollständig neu definiert, sondern um ein zeitgemäßes, niedrigschwelliges Angebot ergänzt.
St. Josef verbindet auf diese Weise zwei unterschiedliche Phasen seiner Geschichte: den funktional und modern geprägten Kirchenbau der 1960er-Jahre und die heutige Nutzung als offene Fahrradkirche. Die Architektur bleibt dabei Ausgangspunkt und identitätsstiftendes Element. Das Gebäude zeigt, wie ein sakraler Bau auf veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse reagieren kann, ohne seine ursprüngliche Prägung aufzugeben. So ist St. Josef heute zugleich Kirchenbau, Rastort und Beispiel für den Wandel kirchlicher Architektur und Nutzung im Ruhrgebiet.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 24.08.2026
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