Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte Oberhausen
Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte Oberhausen, Foto: Thomas Robbin

Vorromanik

ca. 480-1040 (in Deutschland)

Die Architekturschöpfungen der Vorromanik, der Übergang von Spätantike zu Romanik, im deutschsprachigen Raum gehen einher mit den Herrschaftsperioden der Merowinger, Karolinger und Ottonen.
Mit der Gründung des Frankenreichs durch Chlodwig (482-511) entwickelt sich langsam die vorkarolingische/merowingische Baukunst. Diese künstlerisch noch unbedeutende Phase schafft jedoch die Grundlagen für die karolingische Architektur. Die fortschreitende Christianisierung der Germanen sowie das Fehlen bedeutender Städte und des damit verbundenen Bedarfs an städtischen Bauten hat zur Folge, dass sich Architektur fast nur auf Sakralbau – und innerhalb dessen auf den Steinbau – beschränkte.
Unter Karl dem Großen (768-814) und seinen Nachfolgern (bis Ende des 9. Jahrhunderts) wurden erstmals seit dem 5.-6. Jahrhundert Bauten errichtet, die sich in ihren Ausmaßen und ihrer Bedeutung an frühchristliche Architektur anzunähern versuchten.
In den Jahren 750-850 ist ein kultureller Aufschwung, die sogenannte Karolingische Renaissance, zu beobachten, die vor allem Bildung, Sprache und Buchwesen sowie die Baukunst und damit die Erneuerung der frühchristlich-römischen Architektur betraf. Karl der Große, der im Jahr 800 zum Kaiser gekrönt wurde, nutzte Architektur zunehmend als Mittel der Legitimation seiner Macht und Würde.
Mit der Aneignung der römischen Liturgie wurde auch die Typologie der frühchristlichen Basilika übernommen. Die Basilika wird schließlich zum Prototyp karolingischer Sakralarchitektur, und mit der Einführung der Doppelchoranlage weiterentwickelt.
Auch der Zentralbau nach byzantinischen Vorbildern sollte von Bedeutung bleiben: Eines der wenigen erhaltenen Bauwerke der Karolinger, die Kaiserpfalz Karls des Großen in Aachen wiederholt das Bauschema von San Vitale in Ravenna.
Auch die Schöpfung monumentaler Westwerke, zumeist in Form einer mehrgeschossigen Vorkirche mit Türmen, in der der Kaiser und sein Hof am Gottesdienst teilnehmen, fällt in die karolingische Zeit (z.B. Klosterkirche in Corvey, Westwerk 873-85).
Nach einigen Jahren der Unruhen im Reich (Zerfall des Reiches in eine west- und ostfränkische Bevölkerungsgruppe als Folge des Verduner Vertrags 843) folgt in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts unter den ottonischen Kaisern (Heinrich I., 919-936; Otto I., 936-973; Otto II., 973-983; Otto III., 983-1002 und Heinrich II., 1002-1024) wieder eine stärkere Bautätigkeit.
Mit der Krönung Ottos zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Jahr 962 erlangt das Reich neue Bedeutung. Die karolingischen Architekturformen werden stetig weiterentwickelt und Deutschland wird führend im Bereich der Baukunst: Hervorzuheben ist der imperiale Anspruch ottonischer Sakralarchitektur. Die Kirchenbauten zeichnen sich aus durch ihre Größe, die additive Aneinanderreihung der einzelnen Baukörper und die Weiterentwicklung der Krypta. In der ottonischen Tradition stehen der Stützenwechsel und die Flachdecke. Die Wände erhalten neue Gliederungen durch Säulen und Nischen, Raumelemente richten sich nach der Größe des Vierungsquadrats.
Hinzu kommt der Einfluss aus Byzanz: So wird mit dem Münster in Essen um 1000 ein repräsentativer Sakralbau geschaffen, der mit seinen Hinweisen auf frühchristliche Bauten die hohen Ansprüche der Bauherrin demonstriert.
Die früheste erhaltene ottonische Basilika ist die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode aus dem Jahr 961, während St. Michael in Hildesheim (1010-33) als eine der einheitlichsten Anlagen gilt. Den wichtigsten ottonischen Bau im westlichen Teil des deutschen Reiches stellt St. Pantaleon in Köln mit seiner mächtigen Dreiturmfassade (980) dar.
Die karolingische Baukunst bildet in Verbindung mit den ottonischen Weiterentwicklungen und Neuerungen die Voraussetzungen für die Entfaltung der Romanik, die bedeutende Großbauten hervorbringen sollte.

Siehe auch Route zu Ottonik in NRW

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