Schloßallee 1, 41334 Nettetal
Legende für Merkmale
Objekt hat Auszeichnung
Objekt ist denkmalgeschützt
Objekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet
Objekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert
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13. Jh. / 17. Jh. / 18. Jh. / 19. Jh. / 1991
Lindner Architekten KG
(Sanierung und Erweiterung 1991)
Vincenz Statz
(Umbau 19. Jh.)
WestLB
(Sanierung und Erweiterung 1991)
Johann Friedrich von Schaesberg
(17. Jh.)
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Schloss Krickenbeck in Nettetal zählt zu den bedeutenden historischen Wasserburgen des Niederrheins. Seine Architektur ist das Ergebnis einer über Jahrhunderte währenden Bautätigkeit, die den Wandel von einer mittelalterlichen Wehranlage hin zu einem repräsentativen Schlossensemble widerspiegelt.
Entstanden ist Krickenbeck um die Mitte des 13. Jahrhunderts als Wasserburg inmitten einer sumpfigen Landschaft. Die strategische Lage prägte den Bautypus: Gräben, Wasserflächen und eine kompakte Anlage dienten dem Schutz und der Kontrolle des umliegenden Territoriums. Ende des 14. Jahrhunderts gelangte die Burg in den Besitz der Grafschaft Kleve. Die vier Krickenbecker Seen, die das Schloss bis heute umgeben, entstanden Anfang des 15. Jahrhunderts durch Austorfung von Niedermooren und verstärkten den Charakter der Anlage als Wasserburg.
Eine entscheidende architektonische Aufwertung erfolgte ab 1623 unter Freiherr Johann Friedrich von Schaesberg. In dieser Phase wurde die ursprüngliche Burg zu einem herrschaftlichen Wohnsitz umgebaut und damit funktional wie gestalterisch neu definiert. Die mittelalterliche Verteidigungsarchitektur trat zugunsten eines repräsentativen Erscheinungsbildes zurück. Nach Plünderungen und Zerstörungen im späten 17. Jahrhundert machte der bauliche Zustand jedoch einen weitgehenden Neubeginn erforderlich. 1695 entstand eine zweigeschossige, dreiflügelige Vorburg mit Torturm, die bis heute die Grundstruktur der Anlage bestimmt.
Zwischen 1708 und 1721 wurde die Kernburg unter Johann Friedrich II. von Schaesberg durch den Baumeister Simon Sarto zu einem barocken Herrenhaus umgestaltet. Diese Bauphase verlieh Schloss Krickenbeck eine klare, symmetrische Ordnung und eine dem barocken Repräsentationsanspruch entsprechende Raumstruktur. Das Schloss entwickelte sich damit endgültig von der Wehr- zur Wohn- und Repräsentationsarchitektur.
Im 19. Jahrhundert griff man erneut tief in die Bausubstanz ein. Von 1856 bis 1860 ließ man das Wasserschloss nach Plänen des Kölner Diözesanbaumeisters Vincenz Statz neugotisch überformen. Ziel war es, an die mittelalterliche Vergangenheit des Hauses anzuknüpfen und diese architektonisch zu inszenieren. Prägend für diese Phase sind der neue Ostturm zur Seeseite sowie ein Südosterker, die das Schloss zu einem historisierenden Repräsentationsbau erweiterten.
Nach einem Brand im Jahr 1904 erfolgte ein weiterer Umbau. Unter Leitung des hannoverschen Architekten Hermann Schaedtler entstand eine dreiflügelige Anlage in Formen der Neu-Renaissance, wobei Reste älterer Bausubstanz integriert wurden. Diese Maßnahme verlieh dem Schloss sein bis heute bestimmendes äußeres Erscheinungsbild.
Im 20. Jahrhundert wechselte die Nutzung mehrfach, was zunächst zu einem schleichenden baulichen Verfall führte. Erst die Entscheidung der WestLB in den 1980er Jahren, Schloss Krickenbeck zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen, leitete eine nachhaltige Sicherung der Anlage ein. Nach umfassenden Sanierungs-, Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten durch Lindner Architekten wurde das Schloss ab 1991 als Bildungs- und Tagungsstätte genutzt. Dabei orientierte man sich im Herrenhaus und in der Vorburg bewusst an der Ausstattungssituation um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Historische Stuckelemente, Kamine sowie repräsentative Räume wie der Rittersaal und die Bibliothek wurden restauriert und ergänzt. Parallel dazu erfolgten die Rekonstruktion des Schlossparks und umfangreiche Maßnahmen zur ökologischen Renaturierung des Umfelds.
Seit dem Verkauf an die französische Châteauform-Gruppe im Jahr 2015 wird Schloss Krickenbeck als Seminarhaus betrieben. Die Architektur der Anlage bleibt dabei zentraler Bestandteil ihres Erscheinungsbildes: ein vielschichtiges Ensemble, das mittelalterliche Ursprünge, barocke Ordnung, neugotische Reminiszenzen und neuzeitliche Ergänzungen zu einem historisch gewachsenen Ganzen verbindet.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 03.02.2026
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Kategorien:
Architektur » Öffentliche Gebäude » Schlösser/Burgen/Stadtbefestigungen