Ulmenstraße 90-92, 40476 Düsseldorf
1967-1969
Architekt Prof. Lothar Kallmeyer
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Objektanzahl: 2675
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47058 Duisburg
Die evangelische Zionskirche in Düsseldorf-Derendorf wurde von 1967 bis 1969 nach Plänen des Duisburger Architekten Lothar Kallmeyer errichtet und nimmt städtebaulich eine Sonderstellung innerhalb des Kirchenbaus der späten Nachkriegsmoderne ein.
Die Besonderheit des brutalistischen Kirchenbaus besteht in der städtebaulichen Einbindung des Gebäudes in die bestehende Häuserzeile der halboffenen Blockstruktur der Ulmenstraße. Die Zionskirche folgt somit nicht dem konventionellen Typus einer freistehenden Kirche mit vorgelagertem Kirchplatz als Abgrenzung zum Stadtraum, sondern wird selbst Teil desselben. Der weit zurückversetzte Haupteingang mit verglastem Nebenbereich erzeugt eine einladende Geste gegenüber dem Straßenraum, der bei geöffneten Toren über die gesamte Breite des Hauptkörpers erweitert wird. Der Haupteingang vermittelt über eine gegenläufige Treppe in den stützenfreien Kirchenraum mit Empore sowie in den durch eine Falttür abtrennbaren Nebenraum mit Küche.
Die Kubatur der Zionskirche fügt sich formal in die Fluchten der angrenzenden Wohnbebauung ein, bricht jedoch bewusst mit deren Satteldachform sowie der Trauf- und Firsthöhe. Das straßenseitig mit Profilglas abgesetzte Treppenhaus und das angedeutete Seitenschiff folgen der Traufhöhe der grenzständigen Bebauung und rahmen den überhöht inszenierten Hauptkörper zwischen zwei skulpturalen Wandscheiben ein. Ab dem ersten Obergeschoss entwickelt sich eine plastisch geformte Betonwand, die den Kirchenraum gegen Verkehrsimmissionen abschirmt und zugleich die monolithische Erscheinung des Baukörpers prägt. Hofseitig ist der gestreckte Baukörper abnehmend gestaffelt und schließt zweigeschossig mit dem holzverkleideten Nebenraum ab.
Die beiden überhöhten Wandscheiben folgen rückseitig der Satteldachform und tragen die stützenfreie Boden- und Dachplatte des Kirchenraums. Als besonderes gestalterisches und konstruktives Element ergänzt ein querliegender Firstträger mit angedeutetem Glockenturm den oberen Abschluss des Baukörpers. Diese tektonische Disposition macht die Tragstruktur auch von außen ablesbar und betont den skulpturalen Charakter des Gebäudes.
Der holz- und betonsichtige Innenraum wird von beständigen Oberflächen bestimmt. Die Ausstattung aus Massivholz – Bestuhlung, Altar, Orgel und weitere Einbauten – setzt einen warmen, haptischen Gegenakzent zum lichtgrau gestrichenen Beton. Die beiden vertikalen Fensterbänder aus farbiger Bleiverglasung von Burkhard Siemsen akzentuieren den Lichteinfall und rhythmisieren den Saal. Über dem Altar markiert eine von Werner Habig geschaffene bronzene Dornenkrone den liturgischen Fokus. Die von Detlef Kleuker entworfene Orgel fügt sich in Maß, Form und Materialästhetik in die architektonische Ordnung ein. Der Verzicht auf dekorative Überformungen zugunsten weniger, sorgfältig platzierter Elemente entspricht der in der Nachkriegszeit angestrebten Synthese aus Raum, Licht und zurückhaltender Liturgie.
Seit 2017 wird die Kirche nicht mehr aktiv für Gottesdienste genutzt und ist – bei noch ausstehender formaler Entwidmung – in eine soziale Übergangsnutzung überführt worden. Im Erdgeschoss organisiert die Diakonie Düsseldorf die Ausgabe von Lebensmitteln der Düsseldorfer Tafel.
Die Zwischennutzung verdeutlicht die aktuelle programmatische Herausforderung zahlreicher Sakralbauten der Nachkriegsmoderne: Der hohe baukünstlerische Wert und die raumprägenden Eigenschaften stehen wirtschaftlichen und organisatorischen Zwängen gegenüber, welche die schrumpfenden Kirchengemeinden nicht bewältigen können.
Der Entwurf der Zionskirche demonstriert den zeittypischen Baustoff Beton nicht nur als Tragstruktur, sondern als Träger eines skulpturalen, bewusst bildhauerischen Ausdrucks. Lothar Kallmeyers Entwurf reagiert damit auf die in den 1960er-Jahren geführte Debatte um eine „Neue Plastizität“ im Sakralbau, in der Form, Materialästhetik und Raumwirkung als integrale Einheit verstanden wurden. Zugleich unterstreicht die Zionskirche – nicht zuletzt aufgrund ihrer städtebaulichen Position und Einbindung in den Ortskontext – die Sonderstellung des brutalistischen Nachkriegskirchenbaus im Ruhrgebiet und Rheinland.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 07.11.2025
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