St. Stephanus-Kirche Ungelsheim, Frontansicht

St. Stephanus-Kirche Ungelsheim, Schrägluftbild aus Blickrichtung Süden

St. Stephanus-Kirche Ungelsheim, Schrägluftbild aus Blickrichtung Westen

St. Stephanus-Kirche Ungelsheim, Schrägluftbild aus Blickrichtung Osten

St. Stephanus-Kirche Ungelsheim

Goslarer Str. 82, 47259 Duisburg

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IconObjekt ist denkmalgeschützt

IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

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denkmalgeschütztes Objekt

1957-1958

1950er-70er Jahre

Dr. Dipl.-Ing. Wilhelm Seidensticker

Erzbistum Köln
(Bei Planungsbeginn)
Bistum Essen
(Übertragung bei Bistumsgründung 1958)

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Dr. Dipl.-Ing. Wilhelm Seidensticker

St. Stephanus-Kirche Ungelsheim

Die von 1957–1958 nach Plänen des Essener Architekten Wilhelm Seidensticker errichtete katholische St.-Stephanus-Kirche in Duisburg-Ungelsheim ist ein beispielhaftes Werk des Sakralbaus der frühen Nachkriegsmoderne. 

Der seit 2022 denkmalgeschützte Kirchenbau entstand im Zuge der Planungen des ambitionierten städtebaulichen Wohnungsbaus der „Mannesmannstadt“ Duisburg-Ungelsheim. Der nach dem Zweiten Weltkrieg entflochtene und neugeordnete Mannesmann-Konzern plante und realisierte weite Teile des heutigen Stadtteils Ungelsheim als großmaßstäbliches Wohnungsbauprojekt für die Belegschaft der benachbarten Hüttenwerke. Die Planung des neuen Stadtteils und dessen wachsende Bevölkerung erforderte auch eine neue kirchliche Infrastruktur, die jeweils einen katholischen, evangelischen und neuapostolischen Kirchenbau vorsah.

Die katholische St.-Stephanus-Kirche folgt dem formalen Entwurfsprinzip einer trapezförmigen Saalkirche mit basilikaler Grundform und halbrundem Chor. Die in Stahlbeton ausgeführte Tragstruktur aus feingliedrigen Rahmenelementen erinnert im Zusammenspiel mit dem überhöhten Mittelschiff und den angedeuteten eingeschossigen Nebenschiffen als Erschließung an das Strebewerk gotischer und neugotischer Kathedralen. Die nachkriegsmoderne Übersetzung des konstruktiven Motivs des Strebewerks sieht jedoch keine seitlichen Fensteröffnungen vor, sondern geschlossene Wandflächen aus Ziegelmauerwerk. Auf einer Gebäudeseite sind die beiden ersten Elemente der Stahlbetonrahmen als 28 Meter hoher Kirchturm ausgebildet, der den Hochpunkt des Gebäudes bildet. Die umlaufend ziegel- und betonsichtige Fassadengliederung markiert den Anspruch und die Haltung einer reduzierten nachkriegsmodernen Materialästhetik ohne Ornamentik. Einen besonderen Stellenwert haben die aus Kostengründen erst in den 1970er-Jahren nachträglich eingebauten Bleiverglasungen aus farbigem Antik- und Opalglas von Joachim Klos. Die gesamte Südseite des Hauptschiffes besteht aus einer zusammenhängenden Pfosten-Riegel-Fassade, welche in ihrem Gesamtbild wiederholt das Motiv eines abstrahierten Kreuzes aufweist. Die als Lochfassade mit quadratischen Fensterflächen ausgeführte Nordseite des Chors greift die durch Blau- und Gelbtöne akzentuierte Südfassade auf und inszeniert subtil den graublau gestrichenen Chorraum und Altarbereich des Innenraums. 

Der Kirchenbau der Nachkriegszeit oszilliert zwischen pragmatischem Wiederaufbau, experimenteller Neuschöpfung und dem beginnenden Einfluss theologischer Reformbestrebungen. Während die frühen Notkirchenprogramme auf standardisierte Zweckmäßigkeit setzten, etablierten sich parallel dazu materialsachliche, ornamentfreie Raumtypologien, die traditionelle Grundrissfiguren mit moderner Formensprache und der zeitgeistigen weltlichen Öffnung kombinierten. In diesem baulichen Diskurs positioniert sich Wilhelm Seidensticker durch eine gedämpfte Monumentalität, klare tektonische Ordnung und eine liturgisch funktionale Raumstruktur. 

Wilhelm Seidenstickers Beitrag zum Kirchenbau der Nachkriegszeit liegt somit weniger in ikonischen Einzelgesten als in der Etablierung eines reduzierten, funktionsorientierten Sakralbaus, entstanden im Spannungsfeld von Wiederaufbau, Gemeindewachstum und den ersten Ansätzen liturgischer Reformen.

Die Kirche wurde Ende 2024 entwidmet. Die konkrete Nachnutzung ist noch nicht eindeutig festgelegt. Laut Interessenbekundungsverfahren von 2022 soll das Kirchengebäude der zentrale Punkt des Grundstücks bleiben und als karitative Einrichtung oder Tagespflege umgenutzt werden.

Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 05.12.2025

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