Markt 20, 32423 Minden
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1909
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Objektanzahl: 2680
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Mit dem Haus Schmieding errichtete der Mindener Kaufmann Hermann Schmieding im Jahr 1909 ein architektonisch bemerkenswertes Wohnhaus, das zugleich eine persönliche Liebeserklärung darstellt: Inspiriert vom Knochenhauer-Amtshaus in Hildesheim – einem Fachwerkbau der nordischen Renaissance – ließ er für seine Ehefrau ein Gebäude in ähnlicher Formensprache in ihrer Heimatstadt Minden errichten. Anlass war deren Begeisterung für das Hildesheimer Vorbild, das sie anlässlich ihrer Hochzeit im Dom zu Hildesheim kennengelernt hatte.
Das Wohnhaus ist ein charakteristisches Beispiel für die historisierende Architektur um 1900, bei der sich zeitgenössische Bauherren gezielt auf Stilelemente vergangener Epochen bezogen. Die Fachwerkfassade mit reicher Ornamentik, der weit auskragende Erker und das hoch aufragende Dach verweisen auf die Bauformen der nordischen Renaissance, während florale Dekore und stilisierte Pflanzenmotive zugleich deutliche Einflüsse des Jugendstils erkennen lassen. Die Komposition verbindet somit Rückgriff und Zeitgeist auf kunstvolle Weise.
Ein besonderes Highlight ist der figürliche Bildfries oberhalb des Erdgeschosses: In der Technik des Scherenschnitts ausgeführt, erzählt er in neun Szenen zentrale Episoden der Mindener Stadtgeschichte – von Widukinds Taufe 785 über die Reformation und den Besuch Kaiser Karls IV. bis zur Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn 1847 und einem Zeitbild des Jahres 1909 mit Automobil, Fahrrad und Zeppelin. Der Fries fungiert als identitätsstiftendes Element und spiegelt das Geschichtsbewusstsein des frühen 20. Jahrhunderts wider.
Ergänzt wird der historische Bezug durch das mechanische Figurenspiel „min+din“, das regelmäßig an der Fassade zu sehen ist. Es illustriert die Mindener Gründungslegende, in der der sächsische Herzog Widukind und Karl der Große im Zuge der Christianisierung einen Friedensschluss schließen. Widukinds symbolträchtige Worte – „Diese Burg soll nun ‚min und din‘ sein“ – gaben der Stadt Minden ihren Namen.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 28.04.2026
1 Kommentar / Kommentar verfassen
Gerhard Mielczarek schrieb am 27.04.2026 um 20:04
Vielen Dank für Ihre immer sehr guten Informationen, so auch in diesem Fall. Ich bin gebürtiger Hildesheimer und wohne in Minden.Ich kenne also beide Fachwerkhäuser sehr gut. Das Knochenhauer Amtshaus ( also nicht Knochenbrecher Amtshaus) wurde in den Jahren1986-1989 originalgetreu rekonstruiert. Die Hildesheimer sagen ganz unbescheiden: ' Das Knochenhauer Amtshaus ist das schönste Fachwerkhaus der Welt'.Hermann Schmieding hat 1869 seine Verlobte Auguste Theodore ( geb.Rademacher) im Hildesheimer Mariendom geheiratet. Er hat ihr, quasi als Liebeserklärung, versprochen, ein genauso schönes Fachwerkhaus, wie das Knochenhauer Amtshaus in Hildesheim, auch in Minden am Marktplatz, zu bauen, was er 1909 auch gemacht hat. Seine Frau Auguate Theodore hat es sich so sehr gewünscht, weil sie sich in das Knochenhauer Amtshaus in Hildesheim verliebt hat. Da das sogenannte Hermann-Schmieding-Haus, mit seinen aufwendigen Schnitzereien, sehr teuer gewesen ist, konnte Hermann Schmieding ihren Wunsch aber erst 40 Jahre nach ihrer Hochzeit im Hildesheimer Dom realisieren. Leider ging die Geschichte aber sehr traurig zu Ende; weil seine Ehefrau, Auguste Theodore, im Jahr 1905 verstorben ist. Sie hat also, dass Fachwerkhaus, dass sie sich so sehr gewünscht hat, nie gesehen. Es war von Hermann Schmieding eine 'posthume Liebeserklärung' an seine Frau.
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Architektur » Wohnbauten