Datteln, Südring 150, Comenius-Gymnasium

Datteln, Comenius-Gymnasium, Schulhofansicht

Datteln, Comenius-Gymnasium, halbrunder Anbau

Datteln, Comenius-Gymnasium, halbrunder Anbau mit Seitenansicht

Datteln, Comenius-Gymnasium, Seitenansicht

Datteln, Comenius-Gymnasium, Ansicht vom Südring mit Erweiterungsbauten

Datteln, Comenius-Gymnasium, Eingang

Comenius-Gymnasium Datteln

Südring 150, 45711 Datteln

Legende für Merkmale

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IconObjekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet

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denkmalgeschütztes Objekt

1929

Moderne

Aribert Rödel
Alfred Wahl

Stadt Datteln

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Objekte gesamt: 2010

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Comenius-Gymnasium Datteln

Dass sich die sogenannten Realgymnasien vornehmlich der Lehre von Naturwissenschaften verschrieben hatten, zeigt das heutige Comenius-Gymnasium in Datteln besonders eindrucksvoll: Ein langer dreigeschossiger Haupttrakt mit durchlaufenden Fensterbändern mündet nach Süden hin in einem halbrunden Anbau. Hier waren auf vier Geschossen Fachräume für Biologie, Chemie, Physik und sogar Astronomie untergebracht. Ganz eindeutig wurde hier die inhaltliche Ausrichtung der Schule auch in der Architektur wiedergegeben. Die vier halbrunden Fensterbänder sorgen sowohl für eine optimale Belichtung der langgestreckten Räume, als auch für einen starken ästhetischen Eindruck. Dieser südliche Gebäudeteil ist mit roten Klinkern verkleidet und hebt sich dadurch vom glatt verputzten Haupttrakt bereits optisch ab. Eine derartige extravagante Bauart hatte man bis dato vor allem bei Kaufhäusern gesehen, deren ästhetische Avantgarde Käufer anlocken sollte und häufig über konvexe Fassaden verfügten. Im Dattelner Schulneubau sollte stattdessen den Schülern eine ideale Lernumgebung geboten werden. Naturwissenschaften gehörten zum Aushängeschild der Realgymnasien, die seit Ende des 19. Jahrhunderts die Bildungshoheit der sogenannten Lateinschulen erweitern sollten. Und das kam nicht von ungefähr: 1859 hatte Charles Darwin "Über die Entstehung der Arten" vorgelegt, 1901 wurde zum ersten Mal der Nobelpreis verliehen, der besonders die Naturwissenschaften berücksichtigte, Albert Einstein sorgte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit seinen Forschungsergebnissen in der Physik für Aufsehen und 1923 gelang Edwin Hubble der Nachweis weiterer Galaxien außerhalb der Milchstraße. Kurzum, die Naturwissenschaften eroberten - auch dank der wachsenden Berichterstattung der Presse - einen Platz außerhalb elitärer Universitätszirkel. Die Aufnahme der Naturwissenschaften in die Lehrpläne als vollgültige Fächer und die damit einhergehende Infragestellung eines allein auf Gott gründenden Weltbildes war pädagogisch nicht unumstritten. Doch gerade im Zuge der Reformbewegungen, die eine Rückbesinnung des Menschen auf die Natur anstrebten, gewannen die Naturwissenschaften an Relevanz. Völlig neu war der Ansatz, Schüler im Unterricht durch Experimente die Gelegenheit zu geben, selber zu Forschern zu werden, statt im Frontalunterricht den Vorträgen des Lehrers nur zu lauschen. Die Raumgestaltung des Dattelner Realgymnasium trägt all diesen Entwicklungen Rechnung. Die Fachräume der Naturwissenschaften verfügten über Fliesenspiegel, Waschbecken und eingebaute Instrumentenschränke. Im obersten Raum, der über die Firsthöhe des Haupttraktes hinausgeht, wurde Astronomie unterrichtet. Vermutlich wurde die angestrebte Nähe zu den Gestirnen tatsächlich für astronomische Beobachtungen genutzt. Im Erdgeschoss greift eine Terrasse das Halbrund des Anbaus auf. Hier sollte ein Biologiegarten entstehen, der den Unterricht auch hier in die Praxis verlagern sollte. Passend dazu war auf dieser Seite des Schulgebäudes ein Botanischer Garten geplant, der in den öffentlichen Stadtpark übergehen sollte. Allerdings wurde der Schulneubau in zwei Abschnitten realisiert, dessen Vollendung bis in die 1950er Jahre reichte.

Die beiden Architekten, Aribert Rödel und Alfred Wahl, hatten sich unter anderem auf Schulgebäude spezialisiert. Anders als es der traditionelle Schulbau kannte, planten Rödel und Wahl in Datteln kein kompaktes Schulhaus mit symmetrischer Fassade und mit Stuck und Figuren geziertem Eingangsportal. Im Gegenteil: Neben dem eleganten Halbrund der Räume für Naturwissenschaften fällt der Haupteingang kaum auf. Diese Gestaltungslinie entspricht ganz dem Sinn der Reformpädagogik, die den Schülern eine anregende Lernumgebung zugestehen wollte. Rödel und Wahl haben in Moers, Geldern und Bocholt weitere Schulen gebaut. Das Realgymnasium in Datteln sticht darunter hervor.

Autor: Dr. Viviane Taubert, Dr. Stephan Strauß (Strauß Fischer Historische Bauwerke, Krefeld/Bremen), im Auftrag der LWL-DLBW
Zuletzt geändert am 21.04.2020

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