Residenzstraße 2, 33104 Paderborn
Legende für Merkmale
Objekt hat Auszeichnung
Objekt ist denkmalgeschützt
Objekt ist als Kulturdenkmal auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet
Objekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert
x zum Schließen, hier klicken
16.Jh. / 17. Jh. / 18. Jh.
L-A-E LandschaftsArchitekten Ehrig & Partner
(LGS 1994)
Franz Christoph Nagel
(Gartenanlagen 18. Jh.)
Baumeister Jörg Unkair
(Bauphase 16. Jh.)
Bischof Erich von Braunschweig-Grubenhagen
(Haus Braunschweig 1520er)
Bischof Dietrich von Fürstenberg
(16./17. Jh.)
Bischof Ferdinand von Fürstenberg
(Weiterentwicklung 17. Jh.)
Detailsuche mit weiteren Suchkriterien
Objektanzahl: 2657
33098 Paderborn
Entfernung: 3.75 km
33098 Paderborn
Entfernung: 3.77 km
33098 Paderborn
Entfernung: 3.77 km
33102 Paderborn
Entfernung: 3.82 km
32545 Bad Oeynhausen
33615 Bielefeld
Schloss Neuhaus zählt zu den bedeutendsten Residenzbauten der Weserrenaissance in Westfalen. Die Anlage liegt im heutigen Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus und war über Jahrhunderte die Hauptresidenz der Paderborner Fürstbischöfe. Ihre Architektur spiegelt den Übergang von der wehrhaften Burg zur repräsentativen Schlossanlage der frühen Neuzeit wider.
Die Ursprünge von Schloss Neuhaus reichen in das Mittelalter zurück. Bereits im 11. Jahrhundert bestand an dieser Stelle eine bischöfliche Burganlage. Die heutige Schlossgestalt geht jedoch maßgeblich auf die Bautätigkeit des 16. Jahrhunderts zurück. Jörg Unkair war der maßgebliche Architekt der ersten bedeutenden Bauphase von Schloss Neuhaus ab den 1520er Jahren, in der er im Auftrag des Paderborner Fürstbischofs Erich von Braunschweig-Grubenhagen das Haus Braunschweig errichtete und damit den Grundstein für die spätere Schlossstruktur legte. Unter Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg erfolgte der umfassende Umbau zu einer repräsentativen Residenz, der im frühen 17. Jahrhundert fortgeführt wurde. In dieser Phase erhielt Schloss Neuhaus seine bis heute prägende architektonische Form.
Schloss Neuhaus ist als regelmäßige Vierflügelanlage konzipiert, die einen nahezu quadratischen Innenhof umschließt. Die klar gegliederte Grundform folgt den Idealen der Renaissance, wobei funktionale Ordnung und repräsentative Wirkung eng miteinander verbunden sind. Die Schlossanlage war ursprünglich von Wassergräben umgeben, was ihre Herkunft aus der mittelalterlichen Wehrarchitektur erkennen lässt.
Die Fassaden sind durch horizontale Gesimse, gleichmäßig angeordnete Fensterachsen und dekorative Giebel gegliedert. Typisch für die Weserrenaissance sind die reich verzierten Schweifgiebel, die plastische Fassadengestaltung sowie die Verwendung von Sandstein für architektonische Details. Trotz der dekorativen Elemente wirkt der Bau insgesamt ausgewogen und zurückhaltend repräsentativ.
Architektonisch ist Schloss Neuhaus der Weserrenaissance zuzuordnen, einer regionalen Ausprägung der Renaissancearchitektur, die sich entlang der Weser entwickelte. Charakteristisch sind die Verbindung italienischer Renaissanceformen mit lokalen Bautraditionen sowie eine ausgeprägte Fassadengliederung. Im Vergleich zu süddeutschen oder italienischen Renaissancebauten zeigt Schloss Neuhaus eine stärkere Betonung der Dachlandschaften und Giebelzonen.
Im Inneren folgten die Raumstrukturen den Anforderungen eines fürstbischöflichen Hofes. Repräsentationsräume, Wohnbereiche und Verwaltungsräume waren klar voneinander getrennt, wobei der Innenhof als zentrales Erschließungselement diente.
Nach dem Ende des geistlichen Fürstbistums Anfang des 19. Jahrhunderts verlor Schloss Neuhaus seine Funktion als Residenz. In der Folge erlebte die Anlage unterschiedliche Nutzungen und bauliche Veränderungen, ohne jedoch ihren grundlegenden architektonischen Charakter einzubüßen. Ergänzt wird das Schlossensemble durch barocke Gartenanlagen, die im 18. Jahrhundert angelegt wurden und das repräsentative Gesamtbild erweitern.
Durch die Landesgartenschau im Paderborner Stadtteil Schloss Neuhaus entstand 1994 rund um das Schloss der heutige Schloss- und Auenpark. Die gesamte Parkanlage setzt sich aus dem teilrekonstruierten Schlosspark und dem Erholungsgebiet der ökologisch gestalteten Auenbereiche von Alme, Lippe und Pader zusammen.
Heute ist Schloss Neuhaus ein bedeutendes Kulturdenkmal und Bestandteil des öffentlichen Lebens in Paderborn. Schloss Neuhaus wird heute vor allem als Schulstandort (Realschule Schloss Neuhaus), Museums- und Veranstaltungsort sowie zur Naherholung genutzt.
Autor*in: LWL-Amt für Denkmalpflege / Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 06.01.2026
0 Kommentare / Kommentar verfassen
Kategorien:
Landschaftsarchitektur » Parks
Architektur » Öffentliche Gebäude » Schlösser/Burgen/Stadtbefestigungen