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Historismus - ca. 1820–1910/40 (in Deutschland)

Den Historismus kennzeichnet ein Stilpluralismus, bei dem auf mehrere als ebenbürtig angesehene Architekturformen vergangener Epochen zurückgegriffen wird. Er ist somit nicht als direkte Antwort auf den Klassizismus zu verstehen; vielmehr geht dieser im Formenkanon der Stile des Historismus auf.
Unterschiedliche Bauaufgaben werden dabei oft speziellen Stilen zugeordnet und darin ausgeführt. Für Justizgebäude und Kirchenbauten wird z. B. der neoromanische Stil als „nationaler Baustil“ bevorzugt, unvollendete Kirchen der Gotik aber auch in der Neogotik fertiggestellt. Die Neorenaissance wird den Künsten zugeordnet, wodurch in der Folge Theater und Museen meist in diesem Stil ausgeführt werden. Staatliche Bauten entstehen dagegen vornehmlich im Neobarock, in Deutschland auch als Wilhelminischer Stil bekannt.
Diese assoziative Trennung der Stile wurde jedoch nicht immer durchgehalten.
Vielfach kam es zu einer Kombination verschiedener Stile bei einem Gebäude. Eine solche oft willkürliche Stilvermischung wird als Eklektizismus bezeichnet.
Im privaten Sektor entstehen in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s durch das zunehmend wohlhabende Bürgertum großflächige gründerzeitliche Straßenzüge und Villenanlagen.
In diesen Gebieten finden die mannigfaltigen Spielarten der Architektur des Historismus eine besondere Anwendung, da dem Bürgerhaus als Repräsentationsort eine neue Bedeutung zukommt. So kommt es zu immer freieren subjektiven Interpretationen von Formen und Dekorelementen.
Einzelne dekorative Elemente lassen bereits den folgenden Jugendstil erahnen.
Als einzige Stilrichtung des Historismus überdauert der Neoklassizismus als Kontrapunkt zur klassischen Moderne bis in die ausklingenden 30er Jahre des 20. Jh.s.
Im nationalsozialistischen Deutschland kommt der Neoklassizismus in seiner ganzen monumentalen Ausprägung zur Geltung, bei der eine maßstabslose Architektur zur Verkörperung der Macht eingesetzt wird.

Siehe auch Routen zu
Bahnhöfe des Historismus
Kirchenbauten des Historismus 

 
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Redaktion baukunst-nrw

 

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